Die Tafel-Logistik

Mehr als 970 Tafeln in Deutschland retten jedes Jahr durchschnittlich rund 265.000 Tonnen Lebensmittel. Eine flächendeckende Infrastruktur aus Zwischen-, Kühl- und Tiefkühllagern ist entscheidend, damit auch große Spendenmengen direkt von Herstellern übernommen werden können.

Tafel-Aktive holen regelmäßig Lebensmittel aus Supermärkten, Bäckereien und anderen Geschäften ab. Die Produkte sind noch gut erhalten und genießbar, können aber nicht mehr verkauft werden - etwa wegen bald ablaufender Mindesthaltbarkeitsdaten, falscher Etikettierung oder saisonaler Überbestände. 

Großspenden werden zentral im Dachverband in Berlin koordiniert. Hier melden sich Unternehmen, die mehr als fünf Europaletten abgeben möchten. Die Spenden werden über die Landesverbände auf 13 Regionen verteilt, in Zwischenlagern aufbereitet, neu aufgeteilt und von dort an die lokalen Tafeln verteilt.

Grafik über die Tafel-Logistik, die die verschiedenen Stationen im Logistik-Prozess darstellt

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Die lokale Tafel fährt Supermärkte, Bäckereien und andere Lebensmittelgeschäfte an, um gespendete Waren abzuholen, die – obwohl qualitativ einwandfrei – nicht mehr verkauft werden können. Brot und Backwaren vom Vortag, Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern ebenso wie Lagerbestände mit nahendem Mindesthaltbarkeitsdatum, Saisonartikel, Überproduktionen und falsch deklarierte Ware.

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Die Lebensmittelgroßspenden werden in Verteiler-Tafeln neu konfektioniert und an kleinere Tafeln weitergeleitet. Sowohl in den größeren Verteiler-Tafeln als auch in den kleineren örtlichen Tafeln wird die gespendete Ware von Tafel-Helfer:innen auf ihre Qualität geprüft, geputzt, sortiert und für die Ausgabe vorbereitet. Verdorbene Lebensmittel werden aussortiert.

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Die Verteilung der großen Lebensmittelmengen auf Zwischen- sowie Kühl- und Tiefkühllager übernehmen die Tafel-Logistiker:innen in den Ländern. Sie koordinieren auch die Abholung der Warenspenden durch die lokalen Tafeln.

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Die Geschäftsstelle von Tafel Deutschland akquiriert Lebensmittelgroßspenden bei Herstellern und Erzeugern und koordiniert die Verteilung über ein digitales Logistiksystem bedarfsgerecht an die zwölf Landesverbände.

E
Die Waren werden in den Tafel-Ausgabestellen an armutsbetroffene Menschen verteilt. Ob in vorgepackten Tüten, Körben oder als Ware, die sich die Kund:innen selbst auswählen – die Modelle der Tafeln sind sehr vielfältig. Mit ihrer Unterstützung verschaffen sie Menschen in Notsituationen einen bescheidenen finanziellen Spielraum und bieten ihnen dadurch die Möglichkeit für gesellschaftliche Teilhabe.
 

Beispiel: Der Weg von 28 Paletten Erdbeerjoghurt, die falsch etikettiert wurden

Ein Hersteller aus Niedersachsen hat 28 Paletten Erdbeerjoghurt falsch etikettiert. Diese können so nicht in den regulären Handel gebracht werden. Eine Vertreterin der Firma bietet Tafel Deutschland die Erdbeerjoghurts an. Die Spendenanfrage wird an die 13 Landeslogistiker:innen weitergeleitet und geklärt, wer Erdbeerjoghurt benötigt und diesen gekühlt transportieren sowie lagern kann.

Als erstes meldet sich der Landeslogistiker aus Brandenburg, der weiß, dass die Tafeln in seinem Bundesland aktuell Bedarf und Kapazitäten haben. Die Erdbeerjoghurts werden zunächst in das Brandenburger Logistikzentrum gebracht und dort kühl gelagert. Von dort holen die umgebenden Tafeln mit Kühlfahrzeugen so viel Joghurts ab, wie sie verteilen können.

Die Kühlkette wird lückenlos eingehalten, die Tafel-Kund:innen in Brandenburg freuen sich bei den nächsten Ausgaben über frische Erdbeerjoghurts. Die Firma aus Niedersachsen ist glücklich, dass durch ihre Etikettier-Panne qualitativ einwandfreie Ware nicht im Müll landen musste, und erhält auf Wunsch eine Spendenbescheinigung über den Warenwert.

Lebensmittelrettung kostet Geld

Um Großspenden annehmen zu können, sind die Tafeln auf ein deutschlandweites Logistiknetz angewiesen. Sie benötigen in den verschiedenen Regionen Zwischen-, Kühl- und Tiefkühllager sowie entsprechende Fahrzeuge, um die Spenden abzuholen. Aktuell fehlt es in einigen Regionen an ausreichend Lagerkapazität. In manchen Regionen steht weder ein Kühl- noch ein Tiefkühllager zur Verfügung. Hinzu kommt, dass der Unterhalt der Logistikzentren Geld kostet.

Gemäß den UN-Nachhaltigkeitszielen hat sich Deutschland dazu bekannt, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 pro Kopf zu halbieren, auch mithilfe der Tafeln. Damit das gelingt, sind die Tafeln auf eine flächendeckende Unterstützung angewiesen – für den Unterhalt sowie den Ausbau der logistischen Infrastruktur. Hierfür fordern die Tafeln finanzielle Unterstützung vom Staat.

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