Die Tafel-Logistik

265.000 Tonnen Lebensmittel retten die über 960 Tafeln in Deutschland durchschnittlich pro Jahr. Eine flächendeckende Infrastruktur aus Zwischen-, Kühl- und Tiefkühllagern ist entscheidend, damit auch die großen Spendenmengen direkt von den Herstellern gerettet werden können.

Die Tafeln fahren regelmäßig die örtlichen Supermärkte, Bäckereien und andere Lebensmittelgeschäfte an und sammeln dort kleinere bis mittlere Lebensmittel- und Warenspenden ein. Die Lebensmittel sind noch gut erhalten, können aber nicht mehr verkauft werden. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: mal steht das Mindesthaltbarkeitsdatum kurz bevor, mal sind es Saisonartikel, mal wurden die Artikel falsch etikettiert.

Die Fäden der Großspenden laufen im Tafel-Dachverband in Berlin zusammen. Hier melden sich alle Spenderinnen und Spender, die große Mengen an Warenspenden abzugeben haben. Groß bedeutet bei den Tafeln alles über fünf Europaletten. Je nach Bedarf werden die Spenden über die Landesverbände auf die zwölf Regionen aufgeteilt, in Zwischenlagern neu aufgeteilt und von dort an die lokalen Tafeln verteilt.

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Die lokale Tafel fährt Supermärkte, Bäckereien und andere Lebensmittelgeschäfte an, um gespendete Waren abzuholen, die – obwohl qualitativ einwandfrei – nicht mehr verkauft werden können. Brot und Backwaren vom Vortag, Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern ebenso wie Lagerbestände mit nahendem Mindesthaltbarkeitsdatum, Saisonartikel, Überproduktionen und falsch deklarierte Ware.

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Die gespendete Ware wird von den ehrenamtlichen Tafel-Helferinnen und -Helfern auf ihre Qualität geprüft, geputzt, sortiert und für die Ausgabe vorbereitet. Verdorbene Lebensmittel werden aussortiert. 

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Die Verteilung der großen Lebensmittelmengen auf Zwischen- sowie Kühl- und Tiefkühllager übernehmen die Tafel-Logistikerinnen und -Logistiker in den Ländern. Sie koordinieren auch die Abholung der Warenspenden durch die lokalen Tafeln.

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Die Geschäftsstelle der Tafel Deutschland koordiniert die Verteilung großer Lebensmittelspenden über ein digitales Logistiksystem bedarfsgerecht an die zwölf Landesverbände.

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Die Waren werden in den Tafel-Ausgabestellen an armutsbetroffene Menschen verteilt. Ob in vorgepackten Tüten, Körben oder als Ware, die sich die Kundinnen und Kunden selbst auswählen – die Modelle der Tafeln sind sehr vielfältig. ?Mit ihrer Unterstützung verschaffen sie Menschen in Notsituationen einen bescheidenen finanziellen Spielraum und bieten ihnen dadurch die Möglichkeit für gesellschaftliche Teilhabe.
 

Beispiel: Der Weg von 28 Paletten Erdbeerjoghurt, die falsch etikettiert wurden

Ein Hersteller aus Niedersachsen hat 28 Paletten Erdbeerjoghurt falsch etikettiert. Diese können so nicht in den regulären Handel gebracht werden. Eine Vertreterin der Firma bietet der Tafel Deutschland die Erdbeerjoghurts an. Die Spendenanfrage wird an die 12 Landeslogistikerinnen und -logistiker weitergeleitet und geklärt, wer Erdbeerjoghurt benötigt und diesen gekühlt transportieren sowie lagern kann.

Als erstes meldet sich der Landeslogistiker aus Brandenburg, der weiß, dass die Tafeln in seinem Bundesland aktuell Bedarf und Kapazitäten haben. Die Erdbeerjoghurts werden zunächst in das Brandenburger Logistikzentrum gebracht und dort kühl gelagert. Von dort holen die umgebenden Tafeln mit Kühlfahrzeugen so viel Joghurts ab, wie sie verteilen können.

Die Kühlkette wird lückenlos eingehalten, die Tafel-Kundinnen und -Kunden in Brandenburg freuen sich bei den nächsten Ausgaben über frische Erdbeerjoghurts. Die Firma aus Niedersachsen ist glücklich, dass durch ihre Etikettier-Panne qualitativ einwandfreie Ware nicht im Müll landen musste, und erhält auf Wunsch eine Spendenbescheinigung über den Warenwert.

Lebensmittelrettung kostet Geld

Um Großspenden annehmen zu können, sind die Tafeln auf ein deutschlandweites Logistiknetz angewiesen. Sie benötigen in den verschiedenen Regionen Zwischen-, Kühl- und Tiefkühllager sowie entsprechende Fahrzeuge, um die Spenden abzuholen. Aktuell fehlt es in einigen Regionen an ausreichend Lagerkapazität. In manchen Regionen steht weder ein Kühl- noch ein Tiefkühllager zur Verfügung. Hinzu kommt, dass der Unterhalt der Logistikzentren Geld kostet.

Gemäß den UN-Nachhaltigkeitszielen hat sich Deutschland dazu bekannt, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 pro Kopf zu halbieren, auch mithilfe der Tafeln. Damit das gelingt, sind die Tafeln auf eine flächendeckende Unterstützung angewiesen – für den Unterhalt sowie den Ausbau der logistischen Infrastruktur. Hierfür fordern die Tafeln finanzielle Unterstützung vom Staat.

Ansprechperson