Armutsbericht spiegelt Erfahrungen der Tafeln wider

Stellungnahme des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V.

Die Ergebnisse des dritten Armuts- und Reichtumsberichtes, die die Bundesregierung an diesem Montag in Berlin vorgestellt hat, bestätigen die Befürchtungen der Tafeln in Deutschland.

„Armut in Deutschland ist nach wie vor traurige Wirklichkeit. Dass sie außerdem trotz des proklamierten Wirtschaftsaufschwunges weiter zugenommen hat, ist ein Armutszeugnis für die Sozialpolitik in diesem Land“, bewertet Gerd Häuser, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V., den Bericht der Bundesregierung. Dieser bezeichnet 26 Prozent der Bundesbürger als arm oder trotz staatlicher Leistungen als von Armut bedroht.

„Dass gleichzeitig die Zahl der Besserverdienenden überproportional stark angestiegen ist, zeigt, dass die Verteilungsdiskussion neu geführt werden muss, und zwar mit nachhaltigen Ergebnissen“, fordert Gerd Häuser. „Das gilt auch für den öffentlichen Sektor. Die Landesbanken haben Milliarden öffentlicher Mittel verschleudert, die an anderer Stelle in unserem Land schmerzlich fehlen, zum Beispiel bei der Schulverpflegung“, kritisiert der Vorstandsvorsitzende.

Die Zahl der bedürftigen Menschen, die bei den Tafeln um Unterstützung in Form von gespendeten Lebensmitteln anfragen, steigt seit Jahren stetig an. Rund 800.000 sind es aktuell, bis zum Jahresende erwarten die derzeit 785 Tafeln eine Million Kunden.

„Die Menschen, die zu uns kommen, sind bereits Empfänger staatlicher Transferleistungen wie ALG II, darunter viele von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffene und Alleinerziehende mit Kindern. Sie würden nicht zu den Tafeln kommen, wenn sie ihre finanzielle Lage nicht als absolut prekär, sich selbst nicht als arm erleben würden“, sagt der Vorstandsvorsitzende. „Die soziale Sicherung hierzulande reicht nicht aus. Der Zulauf, den die Tafeln gerade auch nach den jüngsten Preissteigerungen für Lebensmittel verzeichnen, zeigt das überdeutlich. Wir fordern die Politik dazu auf, alles zu tun, um die soziale Lage und Teilhabe für Bedürftige, insbesondere für Familien mit Kindern zu verbessern“, fordert Gerd Häuser.

Mit Blick auf die im Armutsbericht festgestellte steigende Zahl der von Armut bedrohten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit geringem Verdienst stellt der Vorstandsvorsitzende fest: „Sollte dieser Trend nicht gestoppt werden, werden Wohltätigkeitsorganisationen wie die Tafeln weiter Konjunktur haben. Die Tafeln können Armut zwar mildern. Es gilt aber sie wirksam und dauerhaft zu bekämpfen. Und das ist und bleibt die dringendste Aufgabe der Sozialpolitik!“


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