Kreativität und Hilfsbereitschaft in der Coronakrise

Eine Wartezone aus Sonnenschirmen, neue Arbeitsabläufe und junge Helferinnen und Helfer: Die Tafel Schweinfurt konnte den Betrieb durch erfolgreiche Umstrukturierung bereits eine Woche nach der Corona-bedingten Schließung wiederaufnehmen. Ein Team aus erfahrenen Helferinnen und Helfern sowie jungen Freiwilligen sorgt dafür, dass Bedürftige auch in dieser schwierigen Zeit Lebensmittel erhalten. Die Wiedereröffnung konnte durch bürgerliche Initiative, unermüdlichen Einsatz und ein herausragendes Miteinander gelingen.


Zur Wiedereröffnung spricht eine Kundin Tafel-Chef Gehling an, gerührt von dem Engagement der Helferinnen und Helfer bedankt sie sich mit Tränen in den Augen: „Mein Kühlschrank war leer und ich wusste nicht, wo ich was herbekomme. Ich bin ja so dankbar…das ist für mich wie Weihnachten.“ Für einen Moment wie diesen, hat das Team der Tafel Schweinfurt eine Woche lang hart gearbeitet, Kreativität und Mut bewiesen.

„Es war klar, wir öffnen wieder“ 

Am 20. März 2020 musste die Tafel Schweinfurt, wie so viele andere Tafeln deutschlandweit, ihre Türen schließen. Die Auswirkungen der Coronakrise machten die Tafel-Arbeit unmöglich. Zu hoch war das Infektionsrisiko, zu wenig Zeit blieb, um sich auf die neue Situation einzustellen. Hauptsächlich fehlte es an jungen Helferinnen und Helfern, die meisten Freiwilligen gehören zur Risikogruppe. Grund zur Hoffnung auf eine mögliche Wiedereröffnung gaben dann die Diakonie Schweinfurt und ein Aufruf über Social Media. Schnell konnten 50 Freiwillige über die Diakonie und eine Facebook-Gruppe vermittelt werden. Ein junges Team, bestehend aus Studentinnen und Studenten, Migrantinnen und Migranten, Kurzarbeiterinnen und Kurzarbeitern, war also rasch gefunden. Dem Tafel-Vorstand war zu diesem Zeitpunkt klar: „…wir öffnen wieder.“ Damit der Betrieb aufgenommen werden konnte, waren jedoch noch einige Schutzmaßnahmen nötig. 


Das Miteinander ist einfach nur klasse“

In einer Nacht-und Nebelaktion errichtete das Tafel-Team um Gehling, gemeinsam mit den Fußballern der FT Schweinfurt, eine 200 Meter lange Wartezone mithilfe von Sonnenschirmen. Farbspray wurde aufgesprüht, um die notwendigen Abstände zu markieren. Die ganze Straße wird nun immer zu Ausgabezeiten gesperrt, damit ausreichend Platz vorhanden ist. Die Ausgabe wurde von zuvor sechs Tagen auf zwei reduziert, dann auf drei Tage ausgeweitet. Die Sortierung findet nun immer getrennt von den Ausgabetagen statt, so wird das Infektionsrisiko im Tafelladen minimiert. Zudem erfolgt die Ausgabe durch einen transparenten Vorhang, um allen Beteiligten eine größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Zur Abholung der Lebensmittel sind immer zwei junge Helferinnen und Helfer dabei. Fast alle gewohnten Abläufe wurden umgestellt, sodass es nach einer Woche soweit war, die Tafel Schweinfurt konnte wieder öffnen. Ein Erfolgsrezept ist sicherlich der Zusammenhalt aller Helferinnen und Helfer. Durch die jahrelange Erfahrung einiger Freiwilligen, konnten die jüngeren Ehrenamtlichen hervorragend angeleitet werden. Das Engagement der langjährigen Tafel-Helferinnen und -Helfer bildete somit die Basis für eine schnelle Wiedereröffnung. Gehling bedankt sich: „Das Miteinander ist einfach nur klasse.“ 


„Der Aufwand wird größer werden“

Trotz aller Bemühungen, Spenden und Erfolge, ist die Herausforderung Corona noch lange nicht gemeistert, „…der Aufwand wird größer werden“, so Gehling. Die Anzahl der Bedürftigen steigt, daher will die Schweinfurter Tafel Ausgabezeiten erweitern, auch um Warteschlangen zu verkürzen. Doch bereits jetzt arbeiten die Ehrenamtlichen am Limit. Und was in all der Organisation und Tätigkeit auf der Strecke bleibt, ist der Austausch mit den Kundinnen und Kunden, ein Lächeln, ein Gespräch … 


Die Tafel Schweinfurt ist ein eingetragener Verein. Über 160 Tafel-Aktive helfen ehrenamtlich bei der Lebensmittelabholung, -sortierung und -ausgabe. Wöchentlich werden Waren an rund 750 Kinder und über 1100 Erwachsene ausgegeben. Insgesamt sind in etwa 4500 Personen in Schweinfurt berechtigt, Lebensmittel über die Tafel zu beziehen. Ernst Gehling leitet als Vorsitzender die Tafel Schweinfurt in einem fünfköpfigen Team. 


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