epd, 20.12.2017

"Viele gute Taten können noch getan werden"

Die Adventszeit bedeutet auch für die Ehrenamtler der Tafeln jede Menge Arbeit. Die Tage bis Weihnachten seien oft sehr hektisch, sagt Verbandsvorsitzender Jochen Brühl im Interview mit dem epd. Es sei aber auch eine Phase mit ganz vielen Begegnungen. Die schönen Erlebnisse, wie etwa bei Weihnachtsfeiern mit Kindern, wirkten bei den Helfern noch lange nach. Die Fragen stellte Dirk Baas.

 

Berlin (epd). Der Verbandschef hofft auch in diesem Jahr wieder auf breite Unterstützung der Bürger für die laufenden Weihnachtsaktionen. Die Tafeln sammeln zum Beispiel auch Weihnachtsgeschenke für Kinder. "Viele gute Taten können noch können noch getan werden, sagte Brühl: "Mitmachen lohnt sich."

epd sozial: Die Vorweihnachtszeit ist stets von Hektik und nicht selten Stress geprägt. Wie erleben die Tafeln und ihre Helfer diese unruhige Zeit bis zum Heiligen Abend?

Jochen Brühl: In der Adventszeit gibt es sehr viel zu tun. Päckchenaktionen, besondere Spendenveranstaltungen oder Weihnachtsfeiern: allerorten herrscht geselliges Treiben. Als Organisation, die auf Spenden angewiesen ist, stellt sich auch immer die Frage: kommen genug Spielzeugspenden für die Kinder der Tafel zusammen? Wie wird unsere Weihnachtsfeier in diesem Jahr ankommen? Bislang hat es immer gereicht, dank der Spendenbereitschaft der Menschen. Viele Aktionen laufen noch - und viele gute Taten können noch getan werden. Mitmachen lohnt sich

epd: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, weiß der Volksmund. Gibt es seitens der Tafeln auch Angebote, die etwa Alleinstehenden ein Fest in Gemeinschaft erleben lassen?

Brühl: Viele Alleinstehende und alte Menschen werden sich zu Weihnachten ihrer Einsamkeit besonders schmerzhaft bewusst. Um mit diesen Gefühlen umzugehen, gibt es auch von den Tafeln kein Patentrezept. Tafeln funktionieren jedoch wie Kontaktbörsen und so begegnen sich immer wieder Menschen bei den Tafeln, die sich so sympathisch sind, dass sie beschließen, gemeinsam Weihnachten zu feiern. Schöner kann man den Weihnachtsgedanken nicht leben.

epd: Die Tafeln tun ja längst mehr als nur Lebensmittel zu verteilen. Gibt es zu Weihnachten zusätzliche Hilfen, wie etwa Geschenke für Kinder? Wie können die Bürger sich daran beteiligen?

Brühl: In Deutschland sind drei Millionen Kinder und Jugendliche von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Etwa 350.000 Kinder und Jugendliche nutzen Angebote der Tafeln. Ein Skandal, leben wir doch in einem der reichsten Länder der Erde. Zur Weihnachtszeit gibt es bei vielen Tafeln besondere Geschenkaktionen für Kinder. Die lokalen Tafeln rufen zu Geschenkspenden auf, damit an Weihnachten kein Kind leer ausgehen muss. Geber erfahren Näheres am besten bei der Tafel in ihrer Nähe. Und wer nach einer Tafel in seiner Umgebung sucht, wird auch auf der Homepage unter www.tafel.de fündig.

epd: Zum Jahresende wir ja traditionell Dank gesagt. Tun Sie das auch und wie würdigen Sie den Einsatz Ihrer vielen Tausend meist rührigen Helfer?

Brühl: Ich bin unglaublich dankbar und stolz, dass 60.000 Ehrenamtliche bei den Tafeln tatkräftig mit anpacken. Viele helfen seit mehreren Jahren, zum Teil seit Jahrzehnten, unermüdlich mit. Ohne diese helfenden Hände würde das Prinzip Tafel nicht funktionieren. Deshalb versuchen wir, ihre Arbeit nach Kräften leichter zu machen. So bieten wir unseren Ehrenamtlichen etwa kostenlose Weiterbildungsmöglichkeiten an und setzen uns gegenüber der Politik für Maßnahmen ein, damit das Ehrenamt attraktiv bleibt. Und natürlich sagen wir auch persönlich danke, wenn wir zum Beispiel als Dachverband Ehrenamtliche für ihren verdienstvollen Einsatz auszeichnen.

epd: Nach den Festtagen kehrt dann wieder Ruhe ein. Ist das bei den Tafeln auch so oder hat der Alltag die Helfer dann sofort wieder im Griff?

Brühl: Die Adventszeit ist bei den Tafeln etwas ganz Besonderes. Natürlich sind die Wochen vor Weihnachten zum Teil recht stressig. Der Advent ist aber auch die Zeit im Jahr, in der ganz viel Begegnung stattfindet. Die schönen Erlebnisse bei Weihnachtsfeiern mit Kindern etwa wirken bei den Helfern lange nach. Sie erleben ganz verdichtet, wie ihre Hilfe ankommt, und solche Erfahrungen beflügeln regelrecht. Viele Tafeln nehmen sich zu Beginn des Jahres auch Zeit, um das Jahr Revue passieren zu lassen.

epd: Über die Feiertage sind die Geschäfte geschlossen, Sie erhalten also keine Lebensmittelspenden. Ist das ein Problem?

Brühl: In der Adventszeit sind die Lager erfahrungsgemäß gut gefüllt. Da Heiligabend auf einen Sonntag fällt, verkürzt sich die Feiertagsspanne in diesem Jahr zusätzlich. Die Tafeln sind außerdem Meister in Sachen Lagerkalkulation. Um leere Regalen zwischen den Jahren muss sich niemand Sorgen.

epd: Ab wann gehen Sie nach dem Fest wieder in den „Regelbetrieb“ und versorgen die Menschen wieder zu den etablierten Zeiten?

Brühl: Lange Pausenzeiten gibt es bei den Tafeln nicht. Nach Weihnachten geht es weiter.

 

Quelle: Evangelischer Pressedienst (epd)

 

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