Weniger Verschwendung: Tafeln retten Lebensmittel bei Herstellern

Foto: Dagmar Schwelle | Tafel Deutschland e.V.

Jedes Jahr werden in Deutschland 2,2 Millionen Tonnen Lebensmittel bereits bei der Verarbeitung verschwendet. Das ist mehr als viermal so viel wie im Handel und trotzdem kaum bekannt. Während die über 950 Tafeln Lebensmittelspenden hauptsächlich bei lokalen Supermärkten, Bäckereien u.ä. abholen, rettet Tafel Deutschland als Dachverband der Tafeln Lebensmittel direkt bei den herstellenden Unternehmen. Wir nehmen größere Spendenmengen an und verteilen sie auf unsere zwölf Regionallager, wo sie Tafeln zur Verfügung stehen. Die Tafel Deutschland hilft damit, Lebensmittelverschwendung direkt an den Produktionsorten zu reduzieren.

Was die Tafel Deutschland direkt bei Hersteller:innen rettet

2020 haben wir 14.490 Paletten Lebensmittel- und Sachspenden gerettet. Darunter waren beispielsweise 352 Paletten Schokolade, deren Karamell-Kern wegen eines Produktionsfehlers fehlte und die dadurch nicht verkauft werden konnten. In einem anderen Fall enthielten die Maxi-Packungen eines Fertiggerichts nur die reguläre Füllmenge, sodass wir 22 Paletten für die Tafel-Kundinnen und -Kunden entgegennehmen konnten.

Ähnliches passiert bei den Sachspenden: Die KN95-Masken eines Herstellers schützten zum Beispiel nur zu 90 Prozent statt zu den nötigen 96 Prozent. Da sie nicht durch den Zoll gelangten, spendete der Hersteller den Tafeln 580.000 KN95-Masken.

Verpackungen mit falschem Mindesthaltbarkeitsdatum oder fehlerhaften Produktangaben sorgen ebenfalls immer wieder dafür, dass fertig produzierte und genießbare Lebensmittel im Müll landen. Die Tafeln nehmen diese Produkte an, wenn möglich, jedoch entsteht ein hoher Zusatzaufwand. Meist müssen die falschen Informationen überklebt oder anderweitig unkenntlich gemacht werden.

 

Foto: Philip Wilson

Mehr Lebensmittel retten – aber wie?

2020 musste die Tafel Deutschland 6.832 Paletten Spenden ablehnen. Gerade während der Corona-Pandemie ergaben sich neue Herausforderungen: Viele Herstellerinnen und Hersteller konnten Lebensmittel, die für die Gastronomie bestimmt waren, nicht verkaufen. Einige wurden uns angeboten, doch besonders Großpackungen wie Mayonnaise oder Joghurt in fünf Kilogramm fassenden Eimern mussten wir ablehnen. Aktuelle können wir diese Produkte nicht umfüllen und damit nicht in haushaltsüblichen Mengen an Tafel-Kundinnen und -Kunden verteilen.

Bisher spendet nur ein kleiner Teil der Herstellerinnen und Hersteller den Tafeln aussortierte, aber genießbare Produkte, die meisten werden weiterhin entsorgt. Die Tafeln könnten zusätzlich bis zu 1,2 Millionen Tonnen Lebensmittelüberschüsse von Herstellerinnen und Herstellern retten und dadurch armutsbetroffene Menschen finanziell entlasten. Doch dazu fehlen uns Lager- und Transportkapazitäten. Um die Logistik auszubauen, benötigen wir finanzielle staatliche Unterstützung. Damit könnten wir wesentlich dazu beitragen, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren.

Mehr dazu lesen Sie in unserem Positionspapier zur Forderung einer staatlichen Grundfinanzierung der Tafel-Arbeit.