Trauriger Rekord: Armut auf 15,9 Prozent gestiegen

Foto: Paritätischer Gesamtverband

Immer mehr Menschen in Deutschland fehlt es am Nötigsten, um gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Laut aktuellem Paritätischen Armutsbericht hat die Armutsquote in Deutschland mit 15,9 Prozent einen neuen traurigen Rekord und den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung erreicht. Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt, dass die Auswirkungen der Corona-Krise Armut und soziale Ungleichheit noch einmal spürbar verschärfen werden. Die Forderung des Verbands: eine sofortige Anhebung der finanziellen Unterstützungsleistungen für arme Menschen sowie armutsfeste Reformen der Sozialversicherungen.

Seit Jahren sind besonders Alleinerziehende, Arbeitslose und kinderreiche Familien betroffen. Vor allem bei diesen Gruppen hat sich die Armut weiter verschärft. Der überwiegende Teil der armen Menschen ist erwerbstätig (33 Prozent) oder in Rente (29,6 Prozent). Corona-bedingt sind besonders geringfügig Beschäftigte sowie junge Menschen betroffen.

In der Studie wird auch deutlich, dass sich die Armut in Deutschland flächendeckend verbreitet. Außerhalb von Bayern und Baden-Württemberg lebt durchschnittlich mehr als jede:r Sechste unterhalb der Armutsgrenze. 

Die Entwicklung der steigenden Armut in Deutschland wird auch bei den Tafeln deutlich sichtbar. Sie nehmen für viele betroffene Menschen eine Anker-Funktion wahr, die über die Lebensmittelhilfe hinausgeht. Denn arm zu sein bedeutet oftmals auch arm an Teilhabe, Kontakt und Austausch. Viele Angebote der Tafeln, die sich der Begegnung und des Miteinanders widmen, müssen wegen der aktuellen Corona-Beschränkungen ausfallen. Für viele Arme ist dies besonders dramatisch, denn in der Pandemie ist es für sie noch schwieriger, an Unterstützung zu kommen. Neben den Tafel-Kundinnen und -Kunden, die schon seit längerer Zeit zu den Tafeln kommen, kommen aktuell auch Menschen, die vorher mitten im Lebens standen und nicht auf externe Hilfen angewiesen waren. Unter ihnen sind Menschen, die aufgrund der Corona-Pandemie ihren Job verloren haben oder in Kurzarbeit sind, aber auch Selbstständige, deren Aufträge wegbrechen.

Die Tafel Deutschland begrüßt die Forderungen des Paritätischen nach politischen Maßnahmen zur Armutsbekämpfung.