25 Jahre Tafeln in Deutschland

Lebensmittelausgabe der Tafel in Cottbus. Foto: Monique Wüstenhagen / Tafel Deutschland e.V.

Seit 25 Jahren sind Tafeln aktiv im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung und Armut. 1993 wurde in Berlin die erste Tafel gegründet. Mittlerweile geben 60.000 Tafel-Engagierte in über 940 Tafeln gespendete Lebensmittel an 1,5 Mio. bedürftige Menschen weiter.

„Nach 25 Jahren hat sich das Selbstverständnis der Tafeln gewandelt. Der Leitgedanke zielt nicht mehr darauf ab, sich selbst abzuschaffen. Es ist vielmehr Aufgabe von Gesellschaft und Politik, Lebensmittelverschwendung und Armut abzuschaffen. Solange dies nicht geschehen ist, wird es Tafeln weiterhin geben. Die Auflösung der Tafeln in Deutschland wäre vor dem Hintergrund immer größer werdender sozialer Probleme wie Alters- und Kinderarmut, Zuwanderung, Ausgrenzung und Landflucht unverantwortlich“, sagte Jochen Brühl, Vorsitzender von Tafel Deutschland.

Zahlen

Die Auswertung der Tafel-Umfrage 2017/18 hat ergeben, dass 60.000 Menschen für die Tafeln im Einsatz sind. 90% der Helfer sind ehrenamtlich aktiv. Über 60% der Ehrenamtlichen sind Frauen; knapp 70% sind im Seniorenalter.

Die Tafel-Aktiven leisten pro Jahr insgesamt 24 Millionen Stunden ehrenamtliche Arbeit. Rechnet man diese Zeitspenden um, hat ihr Einsatz einen Wert von 216 Millionen Euro* jährlich.  

Die Anzahl der Ehrenamtlichen schwankt sehr stark zwischen neuen und alten Bundesländern. Die meisten Tafel-Ehrenamtlichen sind in Hessen im Einsatz, die niedrigste Ehrenamtsquote haben Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Jährlich verteilen die Tafeln Lebensmittel in Höhe von 264.000 Tonnen. Der größte Anteil davon ist Obst und Gemüse (41%). Über 82% der Tafeln arbeiten mit regelmäßigen Spendern wie Supermärkten, Händlern, Bäckereien oder Fleischereien zusammen.

Damit leisten die Tafeln einen wichtigen, sinnstiftenden Beitrag zur Lebensmittelrettung. Gleichzeitig fordert Tafel Deutschland weitere Schritte zur Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung wie die Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums bei lang haltbaren Produkten und die Einführung des Faches Lebensmittelkunde in Schulen.

Wer ein Leben lang gearbeitet hat, darf im Alter nicht arm sein. Gleichzeitig darf Armut nicht länger vererbt werden. Neben Rentnern stellen Kinder und Jugendliche die größte Gruppe der Tafel-Kunden. Ihr Anteil liegt mittlerweile bei 30%. Bildung ist der beste Schutz vor Armut. Tafel Deutschland fordert die kostenlose, bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Bildung von der Kita bis zur Hochschule.

Ehrenamtsförderung > Tafel-Petition Rentenpunkte

60.000 Menschen engagieren sich für die Tafeln – die meisten von ihnen ehrenamtlich. Die Ehrenamtlichen bilden nicht nur die Stütze der Tafel-Bewegung, sondern sind auch eine tragende Säule der Gesellschaft. Ehrenamt gerät zunehmend unter Druck. Längere Lebensarbeitszeit und straffere Ausbildungswege erschweren es Bürgerbewegungen, neue Ehrenamtliche zu gewinnen. Tafel Deutschland fordert deshalb die Schaffung neuer Anreize für das Ehrenamt. Das Ansammeln von Rentenpunkten durch langjähriges Engagement würde das Ehrenamt auch in Zukunft attraktiv machen und stellt eine wichtige Form der Anerkennung dar.

Deshalb hat Tafel Deutschland die Petition „Rentenpunkte für das Ehrenamt“ gestartet.

Neben der Ausgabe von Lebensmitteln sind soziale (Bildungs-) Projekte der Tafeln vor Ort von zentraler Bedeutung für die dort lebende Bevölkerung, besonders in strukturschwachen Regionen. „Tafeln ermöglichen Begegnung. Dieser soziale Aspekt ist für viele Tafel-Kunden ebenso wichtig wie die Unterstützung mit Lebensmitteln“, so Jochen Brühl. „Dort, wo die Infrastruktur wegbricht, existiert weiterhin eine Tafel. In Zukunft wird eines unserer Hauptaugenmerke auf den ländlichen Regionen liegen. Menschen dürfen nicht länger das Gefühl haben, an den Rand gedrängt zu werden. Weder sozial noch regional. Deshalb setzen wir uns auch zukünftig dafür ein, dass die Bedürfnisse von bedürftigen Menschen in kleinen Gemeinden ebenso wie in Ballungsräumen stärker Gehör finden. Wir müssen die Menschen wieder in die Mitte der Gesellschaft holen. Dafür machen wir uns stark!“.

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>> zu den politischen Forderungen der Tafel Deutschland

>> zur Pressemitteilung

>> zum Bericht des ARD-Nachtmagazins, ab Min. 7:35

* Mindestlohn rund 9 Euro pro Stunde


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