Arbeitslosigkeit als Armutsrisiko

Foto: Karl-Uwe Gerhardt/Pixelio.de

In Deutschland sind Erwerbslose viel häufiger von Armut bedroht als in sämtlichen anderen Ländern Europas. Nach den von der europäischen Statistikbehörde Eurostat veröffentlichten Zahlen sind hierzulande 70 Prozent der Erwerbslosen arm. EU-weit liegt die Quote sehr viel niedriger, nämlich bei 45 Prozent.

„Die Bundesregierung verweist aktuell auf den höchsten Beschäftigungsstandes seit der Wiedervereinigung. Das nutzt den drei Millionen Arbeitslosen allerdings wenig. Für die allermeisten von ihnen bedeutet Arbeitslosigkeit nämlich ein Leben an oder unter der Armutsgrenze. Das ist ganz klar ein Zeichen verfehlter Sozialpolitik“, bewertet Gerd Häuser, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V., die Eurostat-Zahlen.

Die Arbeitslosenversicherung trifft auf immer weniger Betroffenen zu, weil die Anspruchsvoraussetzungen immer schwieriger zu erreichen und die Bezugsdauer überdies verkürzt wurden. Gerd Häuser fordert: „Um vor Armut zu schützen, muss die Arbeitslosenversicherung grundsätzlich reformiert werden: Das Arbeitslosengeld muss armutsfest gestaltet und die Bezugsdauer ausgedehnt werden." Wer viele Jahre oder Jahrzehnte mit seinen Beiträgen andere unterstützt hat, der müsse auch länger als ein Jahr Anspruch auf Leistungen der Solidargemeinschaft haben, so Häuser. Um vor Armut zu schützen, müsse das Mindestarbeitslosengeld zudem deutlich über dem HartzIV-Regelsatz liegen.

Die Tafeln erleichtern mit Lebensmittelspenden rund 1,5 Millionen bedürftigen Menschen den Alltag. „Wichtiger wäre es aber, dass sie erst gar nicht in diese Lage kommen“, macht Gerd Häuser klar. „Wir brauchen armutsfeste Regelungen bei den sozialen Hilfen, eine Bildungsoffensive für benachteiligte Kinder, die diesen Namen auch verdient sowie Korrekturen im Rentensystem.“

 

Zurück