4. Deutscher Tafeltag: Appell für eine solidarische Gesellschaft

Mit vielfältigen Aktionen haben sich zahlreiche Tafeln am 4. Deutschen Tafeltag beteiligt. In vielen Städten und Gemeinden luden sie zu Tagen der offenen Tür, Langen Tafeln, Podiumsdiskussionen und Ausstellungen ein. Ziel des bundesweiten Aktionstages war es, öffentlich auf die prekären Lebensverhältnisse von Millionen armer oder von Armut bedrohter Menschen aufmerksam zu machen und für ehrenamtliches Engagement zu werben. Viele Aktionen griffen das „Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“ auf, das die Europäische Kommission für 2010 ausgerufen hat.

Der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. forderte anlässlich des Aktionstages eine konsequentere Bekämpfung der Armut in Deutschland. „Die Gegensätze zwischen Arm und Reich haben sich in den letzten Jahren vergrößert“, kritisierte der Vorsitzende des Verbandes, Gerd Häuser, bei der Auftaktveranstaltung in Berlin. "Eine erfolgreiche Sozialpolitik müsste verhindern, dass Armut entsteht“, betonte er. Häuser forderte unter anderem die Berufung eines Beauftragten der Bundesregierung zur Bekämpfung der Armut und die Einführung eines Mindestlohnes.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes dankte zudem den Helferinnen und Helfern sowie den Spendern und Sponsoren der Tafeln für ihre Unterstützung. „Tafeln sind ein Beispiel für eine solidarische Bürgergesellschaft“, betonte Häuser. Die ergänzende Unterstützung der Tafeln für hilfsbedürftige Menschen dürfe aber nicht zur Selbstverständlichkeit werden. Die Sicherung eines menschenwürdigen Auskommens bleibe eine klare Aufgabe des Staates. Häuser kritisierte in diesem Zusammenhang die nur geringfügige Anhebung der "Hartz-IV"-Sätze um fünf Euro.

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt und der ehemalige Bundesminister Heiner Geißler sprachen als Gastredner bei der Auftaktveranstaltung. Geißler kritisierte, dass sich das Bewußtsein in Politik und Wirtschaft nach der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise nicht geändert habe. Nach wie vor werde der Mensch oft nur als Kostenfaktor betrachtet. Notwendig sei die Rückbesinnung auf eine "solidarische Gesellschaft". Geißler würdigte das Engagement der Tafel-Bewegung: Menschen zu helfen, die in Not seien, sei die Pflicht eines jeden Mitglieds der Gesellschaft.

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt betonte, Tafeln trügen dazu bei, Armut in Deutschland sichtbar zu machen. "Sie zeigen uns, dass etwas nicht stimmt in unserem Land. Sie machen uns aufmerksam auf Probleme, die sonst so gern hinter den verschlossenen Wohnungstüren gelassen werden", sagte Göring-Eckardt. Darüber hinaus leisteten Tafeln einen Beitrag gegen die Verschwendung natürlicher Ressourcen: Qualitativ hochwertige Lebensmittel, die überschüssig seien, landeten nicht im Müll, sondern würden sinnvoll genutzt.

Der Deutsche Tafeltag findet jedes Jahr am Samstag vor Erntedank statt.

Die Pressemitteilung des Bundesverbandes zum 4. Deutschen Tafeltag

 

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