Das Mindesthaltbarkeitsdatum

In Deutschland wird fast die Hälfte aller produzierten Lebensmittel entsorgt. Dafür gibt es zahlreiche Gründe wie gesetzliche Vorschriften und Handelsnormen, die vor allem auf der Angebotsseite für notwendigen, aber auch unnötigen Ausschuss sorgen. So sind die Bestimmungen zur Lebensmittelsicherheit in Europa aus guten Gründen besonders hoch. Andererseits werden viele Lebensmittel aussortiert, weil sie nicht der optischen Norm entsprechen und von Verbrauchern weniger gut angenommen werden. Auf Seiten der Verbraucher werden jährlich durchschnittlich 82 Kilogramm genießbarer Lebensmittel weggeworfen – hauptsächlich wegen zu großer Einkäufe oder falscher bzw. zu langer Lagerung.

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Ein wichtiger Grund für Lebensmittelverschwendung auf beiden Seiten ist das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD): Sowohl Händler als auch Verbraucher lassen sich durch das MHD zu oft in die Irre führen und geben Lebensmittel z.B. nicht mehr an soziale Einrichtungen wie die Tafeln ab oder werfen sie ohne weitere Prüfung in den Müll.

Doch das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verbrauchsdatum! Das MHD gibt lediglich an, bis zu welchem Zeitpunkt ein Lebensmittel unter angemessenen Aufbewahrungsbedingungen seine spezifischen Eigenschaften wie Geruch, Farbe und Geschmack behält. Es bedeutet also keineswegs, dass das Lebensmittel verdorben ist.

Letzteres trifft ausschließlich auf das Verbrauchsdatum zu: Dieses wird für mikrobiologisch leicht verderbliche Lebensmittel wie Fisch und Fleisch verwendet und lässt sich an dem Aufdruck „zu verbrauchen bis…“ erkennen. Lebensmittel mit abgelaufenem Verbrauchsdatum dürfen nicht mehr verzehrt oder in Umlauf gebracht werden.

Für Lebensmittel mit abgelaufenem MHD dagegen gilt: Verlassen Sie sich auf Ihre Sinne! Prüfen Sie Aussehen, Geruch, Konsistenz und Geschmack selbst. Viele Lebensmittel sind noch Tage, Wochen oder gar Monate über das MHD hinaus genießbar. Die Tafeln setzen sich für einen informierten und selbstbewussten Umgang mit dem MHD ein, um unnötige Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Dafür stellen wir für  Plakate (und demnächst Flyer) bereit, die über die unterschiedlichen Haltbarkeiten gängiger Lebensmittel informieren.

MHD-Plakat A2 (4,5 MB)
MHD-Plakat A3 (3,3 MB)

 

 

Die Position der Tafeln zum MHD

Die Tafeln setzen sich für eine Weiterentwicklung des MHD ein. Die Differenzierung von Produktgruppen mit unterschiedlichen Lageranforderungen und Haltbarkeitszeiträumen soll zu einem weitsichtigeren Blick auf das MHD führen:

So können lang haltbare, unbedenkliche Produkte wie z.B. Reis, Nudeln, Kaffee und Salz mit dem Produktionsdatum gekennzeichnet werden, da hier kein Risiko für Verbraucher zu erwarten ist. Molkereiprodukte bilden eine Gruppe, bei der vor allem Ernährungsbildung zu geringeren Ausschüssen führen wird. Das MHD ist hier auf Grund der Verderblichkeit der Ware durchaus sinnvoll – die Aufmerksamkeit muss allerdings auf die Zeitspanne zwischen dem Ablauf des MHD und der tatsächlichen Ungenießbarkeit des Produkts gelegt werden. Schnell verderbliche Waren wie Fisch und Fleisch müssen weiter deutlich mit dem Verbrauchsdatum gekennzeichnet werden.

Das vollständige Positionspapier finden Sie hier.