Kinderarmut

In Deutschland sind 19,3 Prozent der unter 18-Jährigen von Armut bedroht. Über 15 Prozent aller Kinder und Jugendliche sind von Einkommensarmut betroffen. Sie leben in Familien, die mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens auskommen müssen oder staatliche Grundsicherung beziehen, so Erhebungen des Statistischen Bundesamtes. Besonders gefährdet sind: Kinder deren Eltern arbeitslos sind, Kinder alleinerziehender Eltern, Kinder mit mindestens zwei Geschwistern und Kinder mit geringqualifizierten Eltern.

© Tafel Deutschland e.V. | Thekla Ehling

Immer mehr Kinder und Jugendliche bei den Tafeln

Aktuell unterstützen die über 940 Tafeln in Deutschland regelmäßig etwa 1,5 Millionen bedürftige Menschen. Um einen Einblick in die Entwicklung der Tafeln zu erhalten, führt die Tafel Deutschland regelmäßig Tafel-Umfragen durch. Die Umfrage aus dem Jahr 2017 ergab, dass der Prozentsatz der Kinder und Jugendlichen, die auf die Unterstützung der Tafeln angewiesen sind, bei etwa 30 Prozent liegt. Das ist eine Erhöhung von 6 Prozent im Vergleich zur Tafel-Umfrage aus dem Jahr 2016.

Das Gefühl von Scham, Ausgrenzung und Verzicht als ständigen Begleiter

Neue Turnschuhe, eine Mitgliedschaft im Sportverein, ein Kinobesuch oder Familienausflüge am Wochenende - was für viele Kinder und Jugendliche normal ist und ihren Alltag ausfüllt, ist für einige Kinder in Deutschland unvorstellbar. Das Gefühl von Scham, Ausgrenzung und Verzicht begleitet viele Kinder aus armen Familien während des Aufwachsens. Gesundheitliche Benachteiligung und ein schlechterer Bildungszugang wirken sich oftmals negativ auf das gesamte weitere Leben aus. Studien, wie zum Beispiel die KiGGS Welle 2-Studie des Robert Koch-Instituts, belegen, dass sich wirtschaftlich benachteiligte Kinder häufiger ungesund ernähren, seltener Sport treiben und häufiger übergewichtig sind. Fehlende Bildungs- und Betreuungsangebote können zu Klassenwiederholungen, schlechten Noten und niedrigen Schulabschlüssen führen.

© Tafel Deutschland e.V. | Dagmar Schwelle

Tafel-Projekte fördern soziale Teilhabe und die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen

Neben der Unterstützung und finanziellen Entlastung armer Haushalte durch die Lebensmittelausgabe organisieren über 60 Prozent der Tafeln spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche. Dazu gehören Projekte rund um das Thema Ernährung wie Kochkurse, Kindertafeln und Schulfrühstücke. Tafeln zeigen Kindern, wie sie gesunde Lebensmittel zubereiten können, welche Lebensmittel gut zusammen schmecken oder klären über das MHD auf. Außerdem bieten manche Tafeln Hausaufgaben-Hilfen, Musikunterricht, Schwimmkurse, Ferienfreizeiten und sogar Konfliktbewältigungs-Trainings an. Oft werden die Projekte von ehemaligen Lehrern und Erziehern unter den ehrenamtlichen Helfern begleitet, manchmal auch von eigens dafür beauftragten Pädagogen.

Mit dem Projekt "Tafel macht Kultur" bringt die Tafel Deutschland e. V. in Kooperation mit der Tafel-Akademie kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche an die Tafeln. Theater spielen, malen, musizieren, einen Lesezirkel gründen, einen Tafel-Garten künstlerisch gestalten, eine Tanzchoreographie einüben - den Projektideen sind keine Grenzen gesetzt. Ziel des Programms ist es, von Armut betroffene Kinder und Jugendliche durch außerschulische Bildungsmaßnahmen in ihrer Entwicklung zu fördern. In der Umsetzung arbeiten die Tafeln mit mindestens zwei lokalen Partnern zusammen. Die Projekte werden von den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen aktiv mitgestaltet - ohne Leistungsdruck können sich die jungen Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer ausprobieren und ihre Fähigkeiten und Kompetenzen weiterentwickeln. "Tafel macht Kultur" ist gefördert durch das bundesweite Förderprogramm "Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung".

© Tafel Deutschland e.V. | Thekla Ehling

Mit dem Projekt "Power Kiste" setzt sich die Tafel Deutschland gemeinsam mit der REWE Group und Spendern aus der Lebensmittelindustrie für ein gesundes und ausgewogenes Frühstück für Schülerinnen und Schüler aus sozialschwachen Familien ein. Eine Kiste bestückt mit gesunden Lebensmitteln wird täglich an die Projektschulen geliefert. Das Ziel: Kindern und Jugendlichen ein ausgewogenes Frühstück im Klassenverbund zu ermöglichen und sie gleichzeitig für gesunde Ernährung zu begeistern. Zudem fordert die Tafel Deutschland ein Unterrichtsfach zu Ernährungsbildung in die Schulpläne zu integrieren.

Ihre Unterstützung ist gefragt!

Durch diese vielen Projekte fördern Tafeln gezielt die soziale Teilhabe, das Wohlergehen und die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen, die sonst häufig Ausgrenzung erfahren. Die Nachfrage nach diesen Angeboten wächst stetig. Als spendenfinanzierte, gemeinnützige Organisation sind die Tafeln auf Unterstützung angewiesen. Mit Ihrer Spende können Sie ganz gezielt Projekte für sozial und wirtschaftlich benachteiligte Kinder und Jugendliche bei den Tafeln ermöglichen und ihnen ein Stück Chancengleichheit und Gerechtigkeit schenken.