Tafeln fordern: Armut und Verschwendung bekämpfen – Umwelt und gesellschaftliches Klima schützen

19.02.2020 | Pressemitteilung

Jährlich werden in Deutschland etwa 13 Millionen Tonnen Lebensmittel vernichtet. Gleichzeitig leben rund 14 Millionen Menschen in Armut. Anlässlich des Welttages der Sozialen Gerechtigkeit kritisieren die Tafeln diese absurde gesellschaftliche Schieflage und appellieren an die Verantwortung des Einzelnen.

„Mehr soziale Gerechtigkeit bedeutet auch, dass jeder Einzelne von uns sein Konsumverhalten hinterfragt. Es ist genug für alle da. Doch wir leisten uns als Gesellschaft ein fatales Ungleichgewicht. Mit steigendem Einkommen nimmt die Lebensmittelverschwendung signifikant zu. Nahrung und Gebrauchsgegenstände sind in einem solchen Überfluss verfügbar, dass achtlos vernichtet wird, was nicht gegessen wird oder nicht gefällt. Weltweit landet sogar jedes dritte produzierte Lebensmittel im Müll. 1,3 Milliarden Tonnen Co2 werden auf diese Weise unnötig ausgestoßen. Dem stehen Menschen gegenüber, die sich das Nötigste nicht leisten können. Sie leiden unter steigenden Mieten und Nebenkosten und sparen an Lebensmitteln. Nur wer von seinem Lohn, seiner Rente oder seinen Sozialleistungen gut leben kann, ist auch in der Lage, den Preis für Lebensmittel aus artgerechter Tierhaltung oder aus nachhaltiger Landwirtschaft zu zahlen. Der Gegensatz von Armut und Verschwendung schadet ganz unmittelbar der Umwelt und dem gesellschaftlichen Klima“, sagt Jochen Brühl, Vorsitzender von Tafel Deutschland.

Von der Politik fordern die Tafeln verbindliche Ziele zur Bekämpfung von Armut. Immer mehr Menschen fühlten sich abgehängt und nicht mehr zugehörig. Ein Drittel der Tafel-Nutzer sind Kinder und Jugendliche, mehr als 25 Prozent gehören zur Gruppe der Rentnerinnen und Rentner. „Wir beobachten bei den Tafeln, wie sich Armut vererbt, weil es an Perspektiven und Chancen fehlt. Dieser Kreislauf muss durchbrochen werden. Seit Jahren fordern wir deshalb beispielsweise eine Kindergrundsicherung“, sagt Jochen Brühl.

Die Tafeln sind neben Lebensmittelrettern vor allem zu Orten der Begegnung und der Lebenshilfe geworden. „Viele unserer Kundinnen und Kunden kennen das Obst und Gemüse nicht, was sie bei uns bekommen. Sie wissen nicht, was man daraus zubereiten kann – und sie fühlen sich einsam. Die Tafeln bieten daher eine Reihe von Projekten, die Ernährungsbildung und sozialen Austausch miteinander verbinden und den Tafel-Nutzern helfen, ihr Leben nachhaltig zu verbessern und sich zu stärken. Dazu gehören beispielsweise Tafel-Gärten, Kochkurse oder Schulfrühstücksprojekte ebenso wie die Einbindung in die ehrenamtliche Arbeit bei den Tafeln.

 

Tafel Deutschland e. V.

Lebensmittel retten. Klima schützen. Menschen helfen.

Die über 940 gemeinnützigen Tafeln in Deutschland sammeln einwandfreie überschüssige Lebensmittel von Händlern und Herstellern und verteilen diese regelmäßig an mehr als 1,6 Millionen bedürftige Menschen im ganzen Land. Damit schaffen sie eine Brücke zwischen Verschwendung und Armut. Mit rund 60.000 Ehrenamtlichen, die sich bei den Tafeln engagieren, sind die Tafeln eine der größten sozial-ökologischen Bewegungen in Deutschland. Organisiert sind die Tafeln im Dachverband Tafel Deutschland e. V.

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