Stoppt die soziale Ungerechtigkeit

22.08.2017 | Pressemitteilung

Bundestagswahl: Bundesverband Deutsche Tafel e.V. fordert sozial-ökologische Wende

Die deutsche Wirtschaft wächst im achten Jahr in Folge, die Arbeitslosigkeit steht auf einem Rekordtief, nie zuvor gingen so viele Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Soweit die Statistik. Die gesellschaftliche Realität ist jedoch, reklamiert der Bundesverband Deutsche Tafel e.V., eine andere: Der Daueraufschwung komme nicht bei jedem an. Die Zahl der armen und von Armut bedrohten Menschen in Deutschland ist auf einen neuen Höchstwert gestiegen*.

Die rund 60.000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tafeln in Deutschland erleben das täglich. „Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Kunden bei den rund 930 Tafeln um 18 Prozent gestiegen“, sagt der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V. Jochen Brühl. „Den Menschen, die zu den Tafeln kommen, fehlt es nicht nur an gesunder Nahrung, sondern an Aufstiegschancen, gesellschaftlicher Teilhabe und finanziellen Mitteln“.

Um das Problem nachhaltig zu lösen und die strukturellen Ursachen von Armut politisch zu bekämpfen, stellt der Verband im Vorfeld der Bundestagswahl konkrete Forderungen an die politisch Verantwortlichen, die über den bewussten Umgang mit Ressourcen hinausreichen.

Ein wesentlicher Schritt sei die gerechtere Besteuerung sowie die Schließung von Steuerschlupflöchern, um Armutsbekämpfung mitzufinanzieren. Chancengleichheit könne nur über kostenlose und bedarfsgerechte Bildung von der Kita bis zur Hochschule erreicht werden.

Die Beschäftigungspolitik brauche nachhaltige Konzepte, um Abhilfe gegen die negativen Folgen des ausgeweiteten Niedriglohnsektors zu schaffen. Dazu gehören armutsfeste Löhne und bedarfsorientierte Regelsätze. Der Gefahr von Altersarmut lasse sich dadurch entgegenwirken, dass die Anerkennung der Betreuung von Kindern und Eltern im Rentenrecht verankert und armutsfeste Mindestrenten geschaffen werden.

Weiter fordern die Tafeln die Integration und soziale Teilhabe für alle ausgegrenzten Menschen, egal welcher Herkunft.

Um der Bekämpfung von Armut nachhaltig im politischen Handeln eine hohe Priorität einzuräumen, fordern die Tafeln Armutsbeauftragte in Bund und Ländern, die die Belange und Perspektiven der von Armut betroffenen Menschen bündeln und an die Bundes- und Landesregierungen herantragen.

Eine weitere Forderung des Verbandes ist das Ende der Lebensmittelverschwendung. Dafür brauche es weiterhin regelmäßige Aufklärungskampagnen. Mit 82 Kilogramm pro Kopf sind die Deutschen Weltmeister im Wegwerfen von Essen, oft nur aufgrund des abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatums, das bei lang haltbaren Produkten abgeschafft gehöre. Tatsächlich seien viele Produkte länger haltbar. Der nachhaltige Umgang mit Essen will aber auch früh gelernt sein: Eine Einführung des Unterrichtsfachs Ernährungsbildung an Schulen schaffe das Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln und für eine gute Ernährung.

Mehr Wertschätzung erfahren sollen die Menschen, die ehrenamtlich arbeiten. Das gelinge, in dem die Förderung des Ehrenamts im Steuer- und Rentenrecht verankert werden soll. Um das Interesse an einem Ehrenamt aufrechtzuerhalten, brauche es neben politischer und gesellschaftlicher Anerkennung auch finanzielle Anreize.

Die Forderungen richten sich parteiübergreifend an jede politische Gruppierung. „Politik muss die Bekämpfung von Armut endlich mit Priorität behandeln“, sagt der Vorsitzende Jochen Brühl. „Unsere Forderungen fassen zusammen, was es dafür braucht: Eine gerechte Verteilung von Vermögen, Chancen, Teilhabe und Lebensmitteln. Wir brauchen ein Umdenken hin zu einem bewussten Umgang mit unseren Rohstoffen und allem anderen, was Menschen für ein würdevolles, selbstbestimmtes Leben brauchen.“

Ergänzendes Bildmaterial zu den Forderungen des Bundesverbands Deutsche Tafel e.V. können Sie unter diesem Link herunterladen: https://transfer.serviceplan.com/index.php/s/zdlhYYLcO4cWyuF (Passwort: tafel)

Die Tafeln in Deutschland: Lebensmittel retten. Menschen helfen.

Die mehr als 930 gemeinnützigen Tafeln in Deutschland sammeln einwandfreie überschüssige Lebensmittel von Herstellern und Händlern und verteilen diese regelmäßig an bis zu 1,5 Millionen bedürftige Menschen in Deutschland. Damit schaffen sie eine Brücke zwischen Überfluss und Mangel. Mit rund 60.000 Ehrenamtlichen, die sich bei den Tafeln engagieren, sind die Tafeln eine der größten sozial-ökologischen Bewegungen in Deutschland.

*Quelle: Der Paritätische Gesamtverband, März 2017


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