Alle reden vom Sparen – nur nicht bei den Speisen

27.07.2017 | Pressemitteilung

Die Deutschen sind eine sparende Nation. Wo es geht, wird Geld zurückgelegt und gut gehaushaltet – nur in der Küche nicht. Rund 82 kg Lebensmittel wandern durchschnittlich in jedem deutschen Haushalt pro Jahr in den Müll – im Gegenwert von 22 Milliarden Euro. Rund die Hälfte davon könnte vermieden werden: umgerechnet rund 234 Euro, die dem Verbraucher mehr im Portemonnaie blieben . „Die Tafeln setzen sich seit rund 25 Jahren dafür ein, genießbare Lebensmittel zu retten. Doch noch immer wird viel zu viel weggeworfen. Die Wertschätzung von Lebensmitteln nimmt scheinbar immer mehr ab“, beurteilt Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V., die Situation und ergänzt: „Angesichts der Not, die wir täglich bei den Tafeln sehen, können wir nur sagen: Hier muss dringend ein Umdenken stattfinden!“

Gesellschaftliche Trends fördern Verschwendung

Lebensmittelrettung ist eine der Hauptaufgaben der Tafeln. Dazu gehört auch, die Gründe für Lebensmittelverschwendung zu kennen und so gut wie möglich zu entkräften. „Die meisten Deutschen kennen keinen Mangel mehr. Das ist eine Entwicklung, die wir grundsätzlich begrüßen. Allerdings tragen die ständige Verfügbarkeit und das Überangebot an Nahrung auch dazu bei, dass mit Lebensmitteln zu sorglos umgegangen wird“, so Brühl. „Lebensmittel sind Mittel zum Leben. Wir alle müssen sie wieder schätzen lernen“, führt er aus. Was fehle, sei das Bewusstsein für den tatsächlichen Wert der Lebensmittel. In die Produktion fließen zudem Ressourcen wie Wasser, Boden, Energie und nicht zuletzt menschliche Arbeitskraft ein – die alle achtlos vergeudet werden, wenn Nahrungsmittel im Müll landen.

Einen weiteren Grund für die steigende Verschwendung sehen die Tafeln im sich verändernden Lebensstil der jüngeren Generation. Arbeitnehmer müssen ihr Leben heute immer flexibler gestalten – und damit auch ihre Einkaufsgewohnheiten. Wer zum Beispiel oft spontan reisen muss, aber noch an den klassischen Wocheneinkauf gewöhnt ist, bei dem verderben automatisch mehr Nahrungsmittel. Obst und Gemüse, aber auch Brot sind davon besonders betroffen.

Weniger ist mehr

Um der immensen und stetig steigenden Lebensmittelverschwendung Herr zu werden, muss ein Umdenken stattfinden. „Wenn der Mülleimer bei jedem entsorgten Stück dessen Gegenwert anzeigen würde, würden sich viele Menschen bestimmt anders verhalten“, ist sich Brühl sicher.
Bis es soweit ist, setzen die Tafeln auf Aufklärung, zum Beispiel als Partner der Initiative „Zu gut für die Tonne“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. „Wir übernehmen hier gemeinsam die Verantwortung dafür, dass die Menschen sich wieder mehr Gedanken über den Wert ihrer Nahrung machen“, erläutert der Vorsitzende und führt weiter aus: „Wer heute anfängt, verantwortungsbewusster einzukaufen, spart zudem bares Geld. Ein Argument mehr, um sorgsam mit Lebensmitteln umzugehen.“

Die Tafeln in Deutschland: Lebensmittel retten. Menschen helfen.

Die mehr als 930 gemeinnützigen Tafeln in Deutschland sammeln einwandfreie überschüssige Lebensmittel von Herstellern und Händlern und verteilen diese regelmäßig an bis zu 1,5 Millionen bedürftige Menschen in Deutschland. Damit schaffen sie eine Brücke zwischen Überfluss und Mangel. Mit rund 60.000 Ehrenamtlichen, die sich bei den Tafeln engagieren, sind die Tafeln eine der größten sozial-ökologischen Bewegungen in Deutschland.


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