Verantwortung wahrnehmen und einfordern - Bundesverband Deutsche Tafel zieht Jahresbilanz

01.06.2016 | Pressemitteilung | Verband

Auf der heutigen Jahrespressekonferenz zeigt sich der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. äußerst besorgt über die weiter voranschreitende soziale Spaltung der Gesellschaft und die aktuelle Situation von Flüchtlingen in Deutschland.Zur derzeitig geführten Armutsdebatte sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V., Jochen Brühl: „Armut ist eine gesellschaftliche Tatsache und die immer eklatanter zu Tage tretenden sozialen Unterschiede in unserem Land sind alarmierend. Wer das leugnet und herunterspielt, verhöhnt und verspottet die immer größer werdende Gruppe der Bedürftigen in Deutschland. Allein der Blick in die Gesichter der Menschen, die aus der Not heraus zu den Tafeln gehen, müsste alle Zweifler der Armutsberichte Lügen strafen.“
 
Brühl forderte dazu auf, einander wieder mehr wahrzunehmen und Nachbarn, Familienangehörige oder Kollegen nicht aus dem Blick zu verlieren. „So wie die Tafeln ganz unterschiedliche Menschen miteinander verbinden, so wünsche ich mir ein wieder erstarkendes gesamtgesellschaftliches Miteinander“, sagte Brühl weiter. Gegenüber der Politik bekräftigte Brühl seine Forderungen nach gerechteren Steuersätzen, armutsfesten Renten, Erhöhung der Hartz IV Sätze sowie nach ausreichender und kostenloser Kinderbetreuung.
 
Die immer größere Anzahl der Flüchtlinge bei den Tafeln betrachtet er mit Sorge. Aktuell sind zeitweise über 100.000 Menschen aus Syrien und anderen Herkunftsländern bei Tafeln. „Selbstverständlich“, bekräftigte Brühl, „stehen Flüchtlingen die Türen der Tafeln offen. „Flüchtlingsbetreuung bei den Tafeln darf aber nicht dazu führen, dass die Politik ihre Hände in den Schoß legt. Wir fordern von der Bundesregierung eine umfangreiche Einbindung in die Flüchtlingspolitik. Eine Flüchtlingspolitik mit Weitblick holt alle bereits in der Flüchtlingshilfe tätigen Akteure an einen Tisch und koordiniert die Hilfeleistung. Das ist bislang nicht geschehen“, so der Bundesvorsitzende.
 
Schatzmeister Willy Wagenblast unterstützt die Forderung Brühls nach zusätzlichen Spenden für Flüchtlinge. Der Bundesverband verteilte im vergangenen Jahr 5.560 Paletten an Sachspenden im gesamten Bundesgebiet. Dies entspricht einer Anzahl von ungefähr 168 Lastkraftwagen. Die Höhe der Geldspenden betrug im Jahr 2014 4,2 Millionen Euro.
 
„Zwar ist das Spendenaufkommen im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben“, erklärte Wagenblast, „das Arbeitsaufkommen ist jedoch stark gestiegen und auch die Herausforderungen, vor denen die Tafeln stehen, sind vielfältiger geworden. Deshalb meine eindringliche Bitte: um das Niveau unserer Arbeit halten zu können, benötigen wir mehr Spenden. Geld-, Sach- und Zeitspenden sind willkommen, damit wir auch zukünftig Lebensmittel retten und Menschen verbinden können.“
 
Die Jahrespressekonferenz des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V. wird traditionell wenige Wochen vor dem Bundestafeltreffen des Verbandes abgehalten. Das diesjährige 21. Bundestafeltreffen findet vom 11. bis 13. Juni in Augsburg statt. Höhepunkt des Treffens ist die Lange Tafel in der Augsburger Innenstadt. Neben dem Schirmherrn der Veranstaltung, dem Augsburger Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl wird unter anderem Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth erwartet.