Bundesweiter Tafeltag 2015 - Bundesverband Deutsche Tafel warnt vor Ausweitung und Verfestigung sozialer Missstände

28.09.2015 | Pressemitteilung | Ereignis

Anlässlich des neunten Deutschen Tafeltags am Samstag (03.10.) warnt der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. vor einer Ausweitung und Verfestigung sozialer Missstände in Deutschland. Tafeln sind häufig eine der ersten Anlaufstellen für Menschen in Notsituationen und somit Seismograf für gesellschaftliche Entwicklungen. Die Zahl der Bedürftigen bei den Tafeln ist in den letzten Jahren kontinuierlich und in diesem Jahr sprunghaft gestiegen. Tafeln leisten vielerorts auch Soforthilfe für Flüchtlinge.
 
„Wir fordern die Bundesregierung auf, zielgerichtet Maßnahmen zur Integration von Flüchtlingen, die dauerhaft in Deutschland bleiben werden, zu ergreifen. Die Erfahrung aus über 20 Jahren Tafelarbeit hat uns gelehrt, dass Menschen in Notlagen befähigt werden müssen, eigenverantwortlich und selbstständig leben zu können. Die Soforthilfemaßnahmen von Politik und Zivilgesellschaft in der aktuellen Krise sind gut und richtig. Worauf es in den nächsten Monaten ankommen wird, sind umsatzbare, von der Bundesregierung vorgelegte Konzepte mit gesamtgesellschaftlicher Strahlkraft“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutsche Tafel, Jochen Brühl.

Brühl betonte, dass gegenwärtig die Mehrzahl der Tafelkunden keine Flüchtlinge sind, aber die Tafeln für viele Flüchtlinge eine erste Anlaufstelle in Deutschland ist. Dadurch ist die Anzahl der Tafelkunden um über 10 Prozent gestiegen ist. Für die Tafeln ist es selbstverständlich, sich für alle Bedürftigen einzusetzen. „Wir fordern den Staat auf, Perspektiven für alle Bedürftigen zu schaffen, ob Flüchtling oder nicht. Bedürftige Menschen brauchen einen Zugang zu Arbeit und Bildung. Ihr sozio-kulturelles Existenzminium muss gesichert sein. Geschieht dies nicht, werden noch mehr Menschen als bislang auf das gesellschaftliche Abstellgleis geschoben werden. Das kann, das darf sich eine Gesellschaft nicht leisten.“