Anlässlich des Tag des Ehrenamtes am 05. Dezember - Politik muss Ehrenamt fördern, statt eine Überlastung bewusst in Kauf zu nehmen

03.12.2015 | Pressemitteilung | Ehrenamt

Der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. warnt im Vorfeld des Tags des Ehrenamtes vor einer zu starken Beanspruchung des freiwilligen Engagements in Zeiten der Flüchtlingskrise. „Eine Regierung, die erfreulicherweise ,Wir schaffen dasʽ zu den Flüchtlingen sagt, sollte diese Aufgabe endlich planvoll angehen, darf aber zur Bewältigung dieser wichtigen Aufgabe nicht in Kauf nehmen, dass das Ehrenamt zerrieben wird. Ehrenamtsorganisationen wie die Tafeln, die mittlerweile über 200.000 Flüchtlinge unterstützen, müssen dringend Entlastung erfahren, so der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V. Jochen Brühl.
 
In seiner 20-jährigen Geschichte hatte der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. Mitte dieses Jahres erstmals die Forderung nach temporärer finanzieller Unterstützung durch den Staat gestellt. Tafeln, die einen starken Anstieg der Nutzerzahlen durch Flüchtlinge verzeichnen, benötigen dringend Dolmetscher, Flüchtlingsbetreuer, Koordinatoren zur lokalen Vernetzung mit den Kommunen oder Integrationshelfer. Zudem forderte der Verband die Bundesregierung auf, Ehrenamtliche durch Schulungen auf die Herausforderungen durch Flüchtlinge vorzubereiten. „Es ist dringend notwendig, das Ehrenamt zu entlasten, sonst wird die Bereitschaft zum freiwilligen Engagement langfristig sinken. Vermehrt richten Tafeln weitere Öffnungstage ein, um den Zulauf abzufedern. Viele Ehrenamtliche sind im Dauereinsatz“, beschreibt Jochen Brühl die aktuelle Situation.
 
Stark irritiert ist der Bundesverband über die Reaktionen aus der CSU. „Manche Abgeordnete scheinen nicht mal mehr warme Worte für unsere Arbeit zu finden. Offensichtlich setzt sie die aktuelle Flüchtlingssituation so unter Druck, dass sie auf unser Hilfegesuch mit Bevormundung statt mit Unterstützung antworten. Flüchtlingen den Zugang zu Tafeln pauschal zu verwehren ist eine diskriminierende, zutiefst undemokratische und unsoziale Forderung, die an uns herangetragen wurde. Sie widerspricht absolut unseren Grundsätzen der Humanität, Gerechtigkeit und sozialen Verantwortung. Eine solche Haltung ist ein Indiz für Klientelpolitik und das Ablenken vom eigenen politischen Versagen. Dafür stehen wir nicht zur Verfügung. Wir brauchen keine Belehrung, sondern Unterstützung. Wir lassen uns nicht instrumentalisieren und wehren uns dagegen, wenn mit Bezug auf unsere Arbeit und falschen Fakten Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht wird. Die Armut in Deutschland wächst seit Jahren. Nicht Flüchtlinge sind die Ursache dieser Entwicklung, sondern eine verfehlte Sozial- und Arbeitsmarktpolitik.“