Armut weiterhin auf alarmierend hohem Niveau

27.11.2009 | Pressemitteilung | Armut

Bundesverband befürchtet angesichts aktueller Zahlen des Statistischen Bundesamtes zunehmende Armut als Folge der Wirtschaftskrise


Mit großer Sorge betrachtet der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. die Zahlen zur Armutsgefährdung, die das Statistische Bundesamt heute in seiner Erhebung „Leben in Europa“ veröffentlicht hat. Danach sind nach wie vor etwa 15% der deutschen Bevölkerung arm oder von Armut bedroht. Ohne staatliche Transferleistungen wäre es laut Veröffentlichung fast ein Viertel der Bevölkerung (24%).


„Es ist beunruhigend zu sehen, dass die Armut hierzulande kaum zurückgegangen ist. 15 Prozent sind viel zu viel. Das sind mehr als 14 Millionen Menschen. Eine erschreckend hohe Zahl. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie sich auf das Jahr 2007 bezieht. Wenn es noch nicht einmal in den Jahren vor der Wirtschaftskrise gelungen ist, Armut spürbar zu verringern, dann lässt das für die kommenden Jahre wenig Gutes hoffen. Die seit Monaten steigenden Arbeitslosenzahlen und auch die stetig zunehmende Zahl der Tafel-Kunden bundesweit zeigen das auf Besorgnis erregende Weise“, urteilte Gerd Häuser, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V. heute in Berlin.


Besonders alarmiert zeigte sich der Verbandsvorsitzende von der wachsenden Armutsgefährdung bei Alleinerziehenden, die um zwei Prozentpunkte auf 36% angestiegen ist. „Wenn Eltern arm sind, dann sind es auch deren Kinder. Das darf nicht sein. Gerade diese Familien brauchen umfangreiche Unterstützung und dazu zählt auch eine deutliche Anhebung der HartzIV- Regelsätze für die Kinder“, so Häuser.


Einen noch deutlicheren Anstieg bei der Armutsgefährdung offenbarte die Erhebung bei Arbeitslosen. Hier stieg sie von 51 im Jahr 2006 auf 56% im Jahr 2007. Gerd Häuser: „Auch diese Zahl zeigt, dass die staatlichen Transferleistungen eben nicht ausreichen, um die Betroffenen vor Armut zu bewahren. Wir fordern deshalb seit langem: Auch die Regelsätze für Erwachsene müssen angehoben werden.“


Zugleich sind sieben Prozent der Erwerbstätigen und auch 16% der über 65-Jährigen von Armut betroffen.
„Wer Arbeit hat, muss davon leben können. Wer keine findet oder aber sein Erwerbsleben hinter sich hat, muss sich darauf verlassen können, dass ihm die Solidargemeinschaft hilft und ein würdiges Existenzminimum sichert“, forderte Gerd Häuser. „Wir brauchen gerade in der Wirtschaftskrise eine starke Sozialpolitik, die den Zusammenhalt der Gesellschaft fördert.“